Reihenfolge der Datenmigration
Beginne mit Produkten, danach folgen Kunden und anschließend benötigte historische Bestellungen. So können importierte Bestellungen zu den bereits angelegten Datensätzen zugeordnet werden. Plane einen Testimport mit repräsentativen Produkten und Bestellungen vor dem vollständigen Lauf.
WooCommerce bietet einen Produkt-CSV-Export; Kunden- und Bestellexporte können zusätzliche Werkzeuge benötigen. Passe Exportfelder an das gewählte Shopify-Importformat an. Shopifys Store Migration App unterstützt laut aktueller Dokumentation den Produktimport aus WooCommerce im Early Access für bestimmte Shops; sie ersetzt nicht pauschal den gesamten Datenumzug.
- Produkte inkl. Varianten, SKUs, Bildern und Lagerbeständen
- Kategorien und Tags als Shopify-Collections abbilden
- Kundendaten (Adressen, E-Mail, Steuerstatus B2B/B2C)
- Benötigte historische Bestellungen ohne erneute Rechnungs- oder Versandauslösung
- Weiterleitungen (URLs) und Metadaten für SEO
Importdaten und Sonderfälle abgleichen
Vergleiche WooCommerce-Felder mit Shopify-Feldern: Produktnamen, SKUs, Varianten, Bilder, Gewicht, Preise und Bestand. Kategorien müssen in passende Kollektionen und Navigation überführt werden. Nicht jede Plugin-Funktion ist ein Produktfeld: Abonnements, Konfiguratoren und eigene Preislogik brauchen eine separate Lösung.
Lege eine Stichprobe mit mehreren Varianten, Rabatt und einer Erstattung an. Vergleiche Summen und Status mit der Quelle. Historische Bestellungen werden über eine passende App oder API importiert, nicht über den normalen Produkt- oder Kunden-CSV-Import. Unterdrücke im Testlauf unerwünschte Benachrichtigungen und Buchhaltungsautomationen.
Kundenpasswörter und Anmeldung planen
Kundenprofile und Kundenanmeldung sind unterschiedliche Aufgaben. Bestehende Passwörter lassen sich nicht per Shopify-Kunden-CSV übernehmen. Bei aktuellen Kundenkonten melden sich Kunden per E-Mail-Code an; bei einem älteren Kontenmodell kann ein neuer Passwortzugang erforderlich sein.
Übernimm Newsletter-Einwilligungen nur mit dem passenden Nachweis. Prüfe außerdem, welche alten Bestellungen nach dem gewählten Importweg einem Kunden zugeordnet und in seinem Konto sichtbar sind. Informiere Kunden erst nach einem geprüften Ablauf über den neuen Zugang.
Was mit der Rechnungs-Historie passiert
Bewahre die ursprünglichen WooCommerce-Rechnungen mit ihren originalen Nummern und Dateien nachvollziehbar auf. Ein Neuimport der Bestellungen ersetzt dieses Archiv nicht. Sichere die benötigten Belege, strukturierten E-Rechnungsdaten und zugehörigen Nachweise, bevor du das alte System abschaltest.
Für neue Rechnungen kannst du die bisherige Reihe fortführen oder eine eindeutig abgegrenzte neue Reihe einrichten, etwa mit einem neuen Präfix. § 14 UStG erlaubt eine oder mehrere Nummernreihen. Dokumentiere den Stichtag und vermeide Doppelnummern. Die neue Shopify-Bestellnummer ist nicht automatisch die passende Rechnungsnummer.
301-Redirects: SEO retten statt verlieren
Der häufigste Fehler bei der Migration ist verlorener Traffic, weil sich URL-Strukturen ändern. WooCommerce nutzt Pfade wie /produkt/... oder /shop/..., Shopify dagegen /products/... und /collections/.... Jede alte URL braucht deshalb einen permanenten 301-Redirect auf das neue Ziel.
Lege eine Mapping-Tabelle an, in der jede WooCommerce-URL ihrem Shopify-Pendant zugeordnet ist. Shopify bietet native URL-Weiterleitungen; für große Kataloge lohnt sich ein Bulk-Import der Redirects. Behalte nach dem Go-live die Search Console im Blick, um 404-Fehler früh zu entdecken.
Steuerlogik in Shopify neu aufsetzen
Steuereinstellungen werden im neuen Shop separat eingerichtet. Für bestehende Kleinunternehmer gelten grundsätzlich 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € laufender Umsatz; im Gründungsjahr gilt die Grenze von 25.000 €. Prüfe deinen konkreten Status vor dem Go-live. Details: Kleinunternehmerregelung und Shopify.
EU-Fernverkäufe an Privatkunden können unter den gesetzlichen Voraussetzungen im Zielland besteuert und über OSS gemeldet werden. Bei EU-B2B-Warenlieferungen ist die innergemeinschaftliche Lieferung zu prüfen; bestimmte Dienstleistungen folgen dagegen Reverse Charge. Eine gültige USt-IdNr. allein genügt nicht zur Prüfung aller Voraussetzungen.
Buchhaltung anbinden statt manuell pflegen
Nach der Migration willst du nicht wieder jede Bestellung von Hand verbuchen. Verbinde Shopify direkt mit deinem Buchhaltungssystem, damit Rechnungen, Gutschriften und Stornos automatisch fließen, etwa über Shopify mit sevdesk verbinden oder Shopify mit Lexware Office verbinden.
Prüfe mit Beispielen, welche Verkäufe und Erstattungen die gewählte Anbindung unterstützt. Besondere Steuerfälle und Teilrückerstattungen müssen zur tatsächlichen Funktion passen. Ein Webhook allein garantiert noch keine korrekte Verbuchung.
Checkliste für den Go-live
Plane ein festes Umstellungsfenster und teste den neuen Store vorher gründlich. Erst wenn Daten, Redirects und Steuerlogik stehen, schaltest du DNS und Zahlungsanbieter live.
Führe vor dem Wechsel einen letzten Abgleich neuer Bestellungen und geänderter Bestände durch. Dokumentiere einen Rückfallplan, der auch Bestellungen im neuen Shop berücksichtigt. Eine Rückkehr zum alten DNS-Ziel allein synchronisiert diese Daten nicht.
- Testbestellung mit echter Steuerberechnung durchgeführt
- Alle WooCommerce-Belege exportiert und revisionssicher archiviert
- 301-Redirect-Mapping vollständig importiert
- Rechnungsnummernreihe eindeutig festgelegt und auf Doppelnummern geprüft
- Buchhaltungs-Anbindung und Webhooks getestet
- DNS-Umstellung und SSL geprüft