Migration

Von WooCommerce zu Shopify migrieren: Daten, Steuern, Historie

14. Juni 2026 · 5 Min. · zrapp.group · Aktualisiert 30. September 2026

Wenn du von WooCommerce zu Shopify migrieren willst, geht es weniger um die Plattform-Entscheidung als um die saubere Umsetzung: Welche Daten wandern wie, was passiert mit der Rechnungs-Historie und wie rettest du dein SEO. Dieser Leitfaden zeigt das WIE der Migration Schritt für Schritt. Den reinen Plattform-Vergleich findest du im Artikel Shopify oder WooCommerce.

Das Wichtigste in Kürze
  • Migriere in dieser Reihenfolge: Produkte und Varianten, Kunden, dann Bestellungen als historische Referenz.
  • Die alte Rechnungs-Historie bleibt GoBD-relevant: archiviere bestehende PDFs/E-Rechnungen revisionssicher, statt sie in Shopify nachzubilden.
  • Ordne alte URLs passenden neuen Zielen mit 301-Weiterleitungen zu. Das reduziert vermeidbare SEO-Verluste; stabile Rankings lassen sich damit nicht garantieren.
  • Steuerlogik wird in Shopify neu konfiguriert: OSS, §19-Kleinunternehmer und Reverse-Charge gehören vor dem Go-live geprüft.

Reihenfolge der Datenmigration

Beginne mit Produkten, danach folgen Kunden und anschließend benötigte historische Bestellungen. So können importierte Bestellungen zu den bereits angelegten Datensätzen zugeordnet werden. Plane einen Testimport mit repräsentativen Produkten und Bestellungen vor dem vollständigen Lauf.

WooCommerce bietet einen Produkt-CSV-Export; Kunden- und Bestellexporte können zusätzliche Werkzeuge benötigen. Passe Exportfelder an das gewählte Shopify-Importformat an. Shopifys Store Migration App unterstützt laut aktueller Dokumentation den Produktimport aus WooCommerce im Early Access für bestimmte Shops; sie ersetzt nicht pauschal den gesamten Datenumzug.

  • Produkte inkl. Varianten, SKUs, Bildern und Lagerbeständen
  • Kategorien und Tags als Shopify-Collections abbilden
  • Kundendaten (Adressen, E-Mail, Steuerstatus B2B/B2C)
  • Benötigte historische Bestellungen ohne erneute Rechnungs- oder Versandauslösung
  • Weiterleitungen (URLs) und Metadaten für SEO

Importdaten und Sonderfälle abgleichen

Vergleiche WooCommerce-Felder mit Shopify-Feldern: Produktnamen, SKUs, Varianten, Bilder, Gewicht, Preise und Bestand. Kategorien müssen in passende Kollektionen und Navigation überführt werden. Nicht jede Plugin-Funktion ist ein Produktfeld: Abonnements, Konfiguratoren und eigene Preislogik brauchen eine separate Lösung.

Lege eine Stichprobe mit mehreren Varianten, Rabatt und einer Erstattung an. Vergleiche Summen und Status mit der Quelle. Historische Bestellungen werden über eine passende App oder API importiert, nicht über den normalen Produkt- oder Kunden-CSV-Import. Unterdrücke im Testlauf unerwünschte Benachrichtigungen und Buchhaltungsautomationen.

Kundenpasswörter und Anmeldung planen

Kundenprofile und Kundenanmeldung sind unterschiedliche Aufgaben. Bestehende Passwörter lassen sich nicht per Shopify-Kunden-CSV übernehmen. Bei aktuellen Kundenkonten melden sich Kunden per E-Mail-Code an; bei einem älteren Kontenmodell kann ein neuer Passwortzugang erforderlich sein.

Übernimm Newsletter-Einwilligungen nur mit dem passenden Nachweis. Prüfe außerdem, welche alten Bestellungen nach dem gewählten Importweg einem Kunden zugeordnet und in seinem Konto sichtbar sind. Informiere Kunden erst nach einem geprüften Ablauf über den neuen Zugang.

Was mit der Rechnungs-Historie passiert

Bewahre die ursprünglichen WooCommerce-Rechnungen mit ihren originalen Nummern und Dateien nachvollziehbar auf. Ein Neuimport der Bestellungen ersetzt dieses Archiv nicht. Sichere die benötigten Belege, strukturierten E-Rechnungsdaten und zugehörigen Nachweise, bevor du das alte System abschaltest.

Für neue Rechnungen kannst du die bisherige Reihe fortführen oder eine eindeutig abgegrenzte neue Reihe einrichten, etwa mit einem neuen Präfix. § 14 UStG erlaubt eine oder mehrere Nummernreihen. Dokumentiere den Stichtag und vermeide Doppelnummern. Die neue Shopify-Bestellnummer ist nicht automatisch die passende Rechnungsnummer.

301-Redirects: SEO retten statt verlieren

Der häufigste Fehler bei der Migration ist verlorener Traffic, weil sich URL-Strukturen ändern. WooCommerce nutzt Pfade wie /produkt/... oder /shop/..., Shopify dagegen /products/... und /collections/.... Jede alte URL braucht deshalb einen permanenten 301-Redirect auf das neue Ziel.

Lege eine Mapping-Tabelle an, in der jede WooCommerce-URL ihrem Shopify-Pendant zugeordnet ist. Shopify bietet native URL-Weiterleitungen; für große Kataloge lohnt sich ein Bulk-Import der Redirects. Behalte nach dem Go-live die Search Console im Blick, um 404-Fehler früh zu entdecken.

Steuerlogik in Shopify neu aufsetzen

Steuereinstellungen werden im neuen Shop separat eingerichtet. Für bestehende Kleinunternehmer gelten grundsätzlich 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € laufender Umsatz; im Gründungsjahr gilt die Grenze von 25.000 €. Prüfe deinen konkreten Status vor dem Go-live. Details: Kleinunternehmerregelung und Shopify.

EU-Fernverkäufe an Privatkunden können unter den gesetzlichen Voraussetzungen im Zielland besteuert und über OSS gemeldet werden. Bei EU-B2B-Warenlieferungen ist die innergemeinschaftliche Lieferung zu prüfen; bestimmte Dienstleistungen folgen dagegen Reverse Charge. Eine gültige USt-IdNr. allein genügt nicht zur Prüfung aller Voraussetzungen.

Buchhaltung anbinden statt manuell pflegen

Nach der Migration willst du nicht wieder jede Bestellung von Hand verbuchen. Verbinde Shopify direkt mit deinem Buchhaltungssystem, damit Rechnungen, Gutschriften und Stornos automatisch fließen, etwa über Shopify mit sevdesk verbinden oder Shopify mit Lexware Office verbinden.

Prüfe mit Beispielen, welche Verkäufe und Erstattungen die gewählte Anbindung unterstützt. Besondere Steuerfälle und Teilrückerstattungen müssen zur tatsächlichen Funktion passen. Ein Webhook allein garantiert noch keine korrekte Verbuchung.

Checkliste für den Go-live

Plane ein festes Umstellungsfenster und teste den neuen Store vorher gründlich. Erst wenn Daten, Redirects und Steuerlogik stehen, schaltest du DNS und Zahlungsanbieter live.

Führe vor dem Wechsel einen letzten Abgleich neuer Bestellungen und geänderter Bestände durch. Dokumentiere einen Rückfallplan, der auch Bestellungen im neuen Shop berücksichtigt. Eine Rückkehr zum alten DNS-Ziel allein synchronisiert diese Daten nicht.

  • Testbestellung mit echter Steuerberechnung durchgeführt
  • Alle WooCommerce-Belege exportiert und revisionssicher archiviert
  • 301-Redirect-Mapping vollständig importiert
  • Rechnungsnummernreihe eindeutig festgelegt und auf Doppelnummern geprüft
  • Buchhaltungs-Anbindung und Webhooks getestet
  • DNS-Umstellung und SSL geprüft

Quellen und Prüfstand

Die folgenden Quellen erläutern die im Beitrag beschriebenen Anforderungen und Funktionen. Prüfe bei der Einrichtung auch die Vorgaben deines konkreten Anwendungsfalls.

Häufige Fragen

Kann ich meine WooCommerce-Bestellungen nach Shopify importieren?

Ja, als historische Referenz über CSV oder eine Migrations-App. Sie bleiben aber nicht editierbar und ersetzen nicht die Original-Rechnungen, die du nach GoBD weiterhin separat revisionssicher archivieren musst.

Wie behalte ich mein Google-Ranking nach der Migration?

Mappe alte URLs auf passende neue Ziele und richte 301-Weiterleitungen ein. Prüfe Inhalte, interne Links und Indexierung und beobachte die Search Console. Weiterleitungen unterstützen den Umzug, garantieren aber keine unveränderten Rankings.

Muss ich die Rechnungsnummern fortführen?

Nicht zwingend in genau derselben Reihe. Du kannst die alte Reihe fortsetzen oder eine klar abgegrenzte neue Reihe verwenden. Dokumentiere den Wechsel und sichere die eindeutige Zuordnung sowie das alte Rechnungsarchiv.

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